Redebeiträge

 

Vor dem gemeinsamen Marsch um die Binnenalster und durch die Innenstadt sind die Hauptveranstalterin, Frau Hourvash Porkian, und ihre MitausstellerInnen auf die Bühne getreten.

Frau Hourvahs Pourkian, Vorsitzende der Vereins Kulturbrücke Hamburg e.V., begrüßte mit guter Stimmung die Demonstranten sowie Demonstrantinnen und betonte motiviert  ihr Anliegen und das Ziel des „Frauen –und Migrantenmarsches“ in ihrer folgenden Rede:

 

"Hallo Hamburg! Hallo weltoffene Stadt Hamburg!

Hello, bonjorno, bonjour, ola, Nihau, priviete, merhaba, choshgaldis, namaste, asalamonaleikom, ahlam va sahlam, Shalom, kalimera, Roj bash

Dorud va salam be dustane gerami va Hamvatanane aziz choshamadid.

 

Liebes Publikum, liebe Hamburgerinnen und Hamburger,

ich heiße Sie ganz herzlich willkommen zu unserer  bürgerschaftlichen Aktion „Frauenmarsch“ unter dem Motto „Frauen stärken Frauen“ und offene Tore und offene Herzen.

Wir stehen für unsere demokratische Werte, Freiheit und Menschenwürde. Die Würde des Menschen ist unantastbar und ist unser höchstes Gut, die gemäß unserer Verfassung Artikel 1 unanfechtbar ist. In Farsi: keramate ensan gheire ghabele enkar ast.

Und in Arabisch von einem jungen Mann übersetzt!

Unsere Kernthemen sind Selbstbestimmung, Menschlichkeit, gegenseitiger Respekt, Frieden, Freiheit und Demokratie „Vielfalt der Menschen und Kulturen“.

Wir wehren uns gegen jede Form von Rassismus, Diskriminierung und Frauen- und Fremdenfeindlichkeit.

Wir sagen nein zu all denjenigen, die unsere Gesellschaft mit rechtspopulistischer Propaganda und religiösen Fanatismus spalten wollen und so unsere Grundrechte auf Frieden, Freiheit und Demokratie zu erschüttern versuchen.

Was uns vereint, sind unsere demokratischen Werte, die unsere internationale Stadt und unser ganzes Land in den vergangenen Jahrzehnten geprägt haben.

Wir werden vor unserem Marsch die blaue Bänder gegenseitig anbinden und ein Zeichen für Demokratie und für europäische Union setzen. Sind Sie damit einverstanden?

 

Wenn wir wieder zurückkommen, haben wir ein künstlerisches Programm. Wir möchten die Vielfalt der Menschen und Kulturen feiern. Alle haben die Möglichkeit mit unseren Neuankömmlingen ins Gespräch zu kommen.

Wenn wir uns 1 x im Monat Zeit nehmen würden, und die Menschen, die ganz neu zu uns gekommen sind, besuchen und ihnen das Gefühl geben, dass sie bei uns willkommen sind, wäre das hervorragend. Sie lernen alle deutsch aber sie haben keine Praxis.

Wir sollten ihnen den Weg zur Berufsausbildung, politischer Bildung und zum Arbeitsmarkt zeigen. Wir müssen sie über unsere Grundrechte und demokratischen Werte aufklären.

Die Unterstützung ist Bildung und Aufklärung, meine Damen und Herren, Wir Frauen in Bewegung, bis alle Frauen in der Welt frei sind."

 

 

Aufgrund mancher Kritik und Aufruhre gegen die geplante Rednerin Frau Dr. Necla Kelek, wurde ihre Rede aus dem Programm gestrichen. Die Deutsch-Türkische Soziologin  gilt als eine engagierte Frauenrechtlerin und Islamkritikerin. Es stellte sich bei der Veranstaltung jedoch heraus, dass viele der Demonstrantinnen auch Sympathisantinnen von Frau Dr. Necla Kelek waren. Ihre Schilder mit der Aufschrift "Wir wollen Necla Kelek hören" haben ihre Haltung ihr gegenüber verdeutlicht. Nach mehrmaligen  Nachfragen von Frau Hourvash Pourkian stimmten die Demonstranten und Demonstrantinnen für den Redebeitrag zu, sodass Frau Dr. Necla Kelek, anders als angekündigt, spontanerweise ihre Rede hielt und zudem Gehör unter den Menschen fand.

 

"Liebe Frauen, sehr geehrte Feministen,

ich begrüße Sie als Frauenrechtlerin und als eine der Sprecherinnen von TERRE DES FEMMES zum „Womens March“.

Wir haben viel erreicht - Frauen sind in diesem Land, in unserer Verfassung, in der Charta der Menschenrechte, als Wählerinnen gleichberechtigt,Frauen sind in politischer und gesellschaftlicher Verantwortung, sie regieren und leiten Institute, Wirtschaftsunternehmen und sind ein selbstverständlicher Teil der Öffentlichkeit.

Und obwohl noch viel zu tun ist, weil es immer noch keinen gleichen Lohn für gleiche Arbeit gibt, die Frauen und Mütter oft allein die Erziehung der Kinder übernehmen müssen, können wir sagen, die feministische Bewegung hat viel erreicht.

Manche meinen sogar so viel, dass sie das Frausein gegen das Mannsein stellen und meinen, nicht die Gleichberechtigung, sondern die Aufhebung der Geschlechtergrenzen oder –unterschiede in Sprache und Alltag wäre die Hauptaufgabe der Frauenbewegung.

Vergessen und übersehen oft dabei, das bei all diesen Erfolgen, dass diese Freiheiten und Rechte lange nicht für alle Frauen und Mädchen in diesem Land gelten.

Sie gelten nicht für die  fast ausschließlich aus Osteuropa verschleppten, oder mit falschem versprechen gerufenen  Sexsklavinnen in den Bordellen, die wenig Schutz haben und allein gelassen werden. und Sie gelten auch nicht  für die übergroße Zahl von Frauen und Mädchen, die in diesem Land  unter einer anderen Leitkultur als die Verfassung leben.

Ich meine die Frauen, Mädchen und Schwestern, die sich der Leitkultur der religiösen Gesetze unterwerfen oder unterwerfen müssen.

Ja, ich spreche nicht von Vielfalt, sondern von Unterwerfung.

Unterwerfung unter ein Patriarchat, die Herrschaft der Männer und Religionen, die Unterwerfung verlangen, leben und legitimieren.

Die große französische Frauenrechtlerin Simone de Beauvoir hat in ihrem Werk „Das andere Geschlecht“ die gesellschaftliche Rolle der Frau so beschrieben „Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird dazu gemacht.“  Die westliche Welt hat diese von der Rollenzuschreibung durch die männlich dominierte Gesellschaft erkannt und revolutioniert.

Diese Revolution steht z.B. für uns muslimisch Stämmige, noch bevor. Ich sage:

Die Frau wird nicht als Muslimin geboren, sie wird dazu gemacht.

-         Von den Vätern, die das Patriarchat, „Vaters Staat“, die Herrschaft über Frauen aufrechterhalten, wenn sie die Frauen in ihren Häusern halten und in der Öffentlichkeit kontrollieren,

sie wird dazu gemacht

-         Von den Müttern, die ihren Töchtern die Unterwerfung lehren, die ihre Söhne zu Prinzen machen

Sie wird dazu gemacht

-         Von den Männern, die meinen die Frauen seien „ihre Ehre“

Sie wird dazu gemacht

-         Von den Brüdern, die meinen sie müssten ihre Schwestern  bewachen

Und sie wird dazu gemacht und legitimiert von einem Buch, dem Koran und den Überlieferungen,

-         Die Frauen und Männer nicht als gleichberechtigt, sondern nur als gleichartig betrachtet.

-         Das im Koran die Frau als Sexualwesen beschreibt, wie in der Sure 7, Vers 189: „Er hat aus ihm seine Gattin gemacht, damit er bei ihr wohne.“

-         die Frauen und Mädchen unter den Schleier zwingt und damit eine Apartheit beschwört.

- das Kind oder die Frau durch das Kopftuch  auf ein Sexualwesen reduziert, dass sich vor Männern zu verschleiern hat. Gegen diese Freiheitsberaubung demonstrieren wir.

 

Frauen demonstrieren dafür, daß alle Kinder

-   ein Recht auf Kindheit haben und ohne religiöse Bevormundungaufwachsen können

-         Auf körperliche Unversehrtheit. Gegen Beschneidung von Mädchen oder Jungen aus religiösen Gründen als Akt einer  Unterwerfung

-         Auch Mädchen müssen turnen und schwimmen lernen, denn wer schwimmen kann wird auch sonst nicht untergehen

-         Das Recht selbst zu entscheiden, ob, wann und wen man heiraten will

-         Das Recht zu glauben aber auch nicht zu glauben.

-         Das Recht kein Kopftuch zu tragen, denn nicht die Frau hat sich vor dem Mann zu verschleiern, sondern der Mann hat ihr als Mensch respektvoll zu begegnen. 

 

Denn die Frau ist als  Mensch ein Teil der Natur und nicht ein Teil des Mannes.

Sie hat das Recht auf ihrer Haut die Sonne zu spüren, in den Haaren den Schnee und mit ihrem Körper, auf ihrer Haut das Meer. Sie hat das Recht und die Verantwortung sich in ihre eigenen Angelegenheit einzumischen. Frauenrechte sind Menschenrechte und Teil der europäischen Leitkultur  - sie müssen auch für die Musliminnen und für alle MigrantInnen gelten und durchgesetzt werden. Das Recht auf Freiheit und Gleichberechtigung ist nicht beliebig und Unterdrückung nicht als Vielfalt und Diversität anderer Kulturen zu relativieren. Die Freiheit jeder Einzelnen Frau muß erobert  und verteidigt werden.

Dafür demonstrieren wir. Make Feminism great again!"

Dr. Necla Kelek, Hamburg 13.Mai 2017